Bestätigungsfehler
Der Bestätigungsfehler (Engl. confirmation bias) beschreibt unsere unbewusste Tendenz, Informationen so auszuwählen, dass sie mit der eigenen Sichtweise übereinstimmen [1]. Diese kognitive Verzerrung gehört zu den mächtigsten Mechanismen im menschlichen Denken. Sie bewirkt, dass wir Informationen in einer Weise deuten, die unsere eigenen Überzeugungen stützt, während wir widersprüchliche Daten ignorieren. Es gibt sogar Theorien, die besagen, dass viele andere kognitive Verzerrungen auf diesen Grundmechanismus zurückzuführen sind.
So zeigten Aileen Oeberst und Roland Imhoff vom Institut für Medienpsychologie der Universität Hagen, dass Phänomene wie der „false consensus effect“ (die Überschätzung, wie stark die eigenen Ansichten von anderen geteilt werden), der „Rampenlicht-Effekt“ (die Überschätzung, wie stark andere unsere Handlungen bemerken) oder die „Ingroup-Projektion“ (die Neigung, die eigene Gruppe als »typischer« wahrzunehmen) Varianten des Bestätigungsfehlers sind [2].
Unser Gehirn strebt danach, aus der permanenten Flut an Informationen eine konsistente Erählung zu formen. Dabei steht die innere Konsistenz der Informationen im Vordergrund, nicht deren Vollständigkeit. „Es ist leichter, alles, was man weiß, in ein kohärentes Muster zu fügen, wenn man wenig weiß [3; Kapitel 7, Abschnitt What you see is all there is, 07:48].“ Diese kognitive Abkürzung hilft uns, die Komplexität der Welt zu reduzieren, birgt jedoch die Gefahr, dass wesentliche Fakten ausgeblendet werden, die ein vollständigeres Bild zeichnen könnten.
Tatsächlich mangelt es uns heutzutage nicht an Information. Die Informationsflut, der wir permanent ausgesetzt sind, bewirkt, dass wir immer stärker an die Grenzen unserer von Natur aus begrenzten Informationsverarbeitungskapazität stoßen. Diese unaufhörliche Datenlawine erleichtert es uns zudem, selektiv diejenigen Informationen herauszupicken, die unsere eigene Geschichte stützen. Das Gefühl von Konsistenz gibt uns Sicherheit, da inkonsistentes Verhalten oft als unerwünschte Charaktereigenschaft angesehen wird. „Wir sind dazu bestrebt, uns an unsere Aussagen zu halten, da inkonsistentes Verhalten als wenig wünschenswerte Persönlichkeitseigenschaft betrachtet wird. Ein hoher Grad an Konsistenz wird normalerweise mit persönlicher und intellektueller Stärke in Verbindung gebracht sowie mit Logik, Vernunft, Stabilität und Ehrlichkeit gleichgesetzt [4; Kapitel 3: Commitment und Konsistenz - Wer A sagt].“
Der Informationsüberschuss, so Henning Beck in „12 Gesetze der Dummheit“, ist das große Paradox unserer Zeit. Noch nie stand uns so viel Wissen zur Verfügung, und doch war die Gefahr, durch diese Überfülle weniger zu wissen, nie größer [5; 0:45:47]. Trotz unendlicher Informationsquellen führt diese Überforderung oft dazu, dass wir uns auf jene Fragmente beschränken, die unser Weltbild bestätigen, und die Fülle an Gegenargumenten beiseitewischen. So steuern wir unbewusst auf eine intellektuelle Vereinfachung zu, die uns Sicherheit gibt, aber gleichzeitig den Blick auf die Komplexität der Realität verengt.
Diese Vereinfachung ist tief in uns verankert, da wir generell die Einfachheit schätzen und Komplexität eher meiden. Simone Menne bringt es prägnant auf den Punkt: „Menschen haben Probleme, Komplexität über längere Zeiträume zu erfassen, dazu sind die Einflussfaktoren oft zu zahlreich [6; Simone Menne, 0:02:17]“. Dabei bleibt die Welt unweigerlich komplex – und ebenso die Menschen. „Jede Handlung löst eine endlose Kettenreaktion aus. Man kann nie einfach sagen, dass A zu B führt, B zu C, C zu D und so weiter. Andere Akteure werden in das Drama gezogen, und es ist schwer, deren Motivationen und Reaktionen zu prognostizieren. Man kann unmöglich diese Ketten vorhersehen oder ein umfassendes Verständnis der Konsequenzen haben [7; Kapitel 6 - Vier Zeichen der Kurzsichtigkeit und Strategien, wie man sie überwindet, 0:08:02].“
Ein überaus anschauliches Beispiel, wie scheinbar einfache Maßnahmen durch Komplexität zu unvorhergesehenen Folgen führen können, ist der sogenannte Kobra-Effekt. Dieser Begriff geht auf ein angebliches historisches Ereignis in Britisch-Indien zurück. Dort versuchte ein britischer Gouverneur, eine Kobraplage durch die Auslobung eines Kopfgeldes auf jede getötete Schlange zu bekämpfen. Zunächst schien das Konzept zu funktionieren: Immer mehr tote Schlangen wurden abgeliefert. Doch anstatt die Plage einzudämmen, führte der finanzielle Anreiz dazu, dass die Bevölkerung begann, Kobras zu züchten und anschließend zu töten, um die Prämie zu kassieren. Als das Kopfgeld schließlich wieder abgeschafft wurde, setzten die Züchter die übrig gebliebenen Schlangen frei, da sie keinen Nutzen mehr für sie hatten. Das Resultat: Die Zahl der Kobras war durch diese staatlich geförderte Maßnahme höher als je zuvor [8].“
Dieses Beispiel zeigt deutlich, wie komplexe Systeme durch unvorhergesehene Wechselwirkungen beeinflusst werden können, und unterstreicht, dass einfache Lösungen in komplexen Umgebungen häufig ungewollte Konsequenzen nach sich ziehen.
Der Kobra-Effekt sollte uns daher immer als Mahnung dienen, wenn uns vermeintlich einfache Lösungen für komplexe Probleme präsentiert werden. Auf den ersten Blick wirken sie einleuchtend und verführerisch, doch die damit einhergehenden Probleme offenbaren sich oft erst später. „Eine derartige Übersimplifikation und Falsifikation ist vor allem für Ideologen typisch. Sie machen sich ein einziges Axiom zu eigen: Regierung ist schlecht. Einwanderung ist schlecht. Kapitalismus ist schlecht. Patriarchat ist schlecht. Dann filtern und überprüfen sie ihre Erfahrungen und insistieren immer hartnäckiger darauf, dass sich alles mit dem einen Axiom erklären lässt. Sie glauben in narzisstischer Weise, von ihrer irrigen Theorie ausgehend, dass die ganze Welt verbessert werden könnte, wenn sie persönlich das Sagen hätten [9; Kapitel 247]“.
Diese Neigung zur Vereinfachung ist allgegenwärtig, wie Alex Karp schreibt: „Die Suche nach einfachen, eindeutigen Antworten hat Hochkonjunktur. Einfache Antworten aber sedieren uns eher, als dass sie uns unsere Sorgen nehmen. Sie vernebeln unseren Verstand. Nun ist jederWunsch nach einer Vereindeutigung der Welt zwar nachvollziehbar, aber kontraproduktiv. Wenn Komplexität zum Problem wird, sei es in unserem moralischen oder ästhetischen Leben, sollte uns das vorsichtig stimmen. Theodor Adorno blieb zu Recht skeptisch gegenüber jenen, die ’intolerant gegen die Mehrdeutigkeit sind, an der Denken sich entzündet’ [6; Vorwort 0:02:06].“
Dieser Drang zur Vereinfachung wirkt auf den ersten Blick entlastend, doch er verschließt uns oft den Blick auf die wahre Komplexität der Welt. Statt sich in einfachen Erklärungen zu verlieren, fordert Karp, dass wir uns der Mehrdeutigkeit und Vielschichtigkeit der Wirklichkeit stellen – auch wenn dies Unbehagen oder Unsicherheit mit sich bringt.
Ein Paradebeispiel für den Bestätigungsfehler in Aktion ist der Umgang mit Verschwörungstheorien. Diese lassen sich kaum widerlegen, da jegliche Information so interpretiert wird, dass sie in das bestehende Weltbild passt. „Findet sich eine Information, die zur Theorie passt, gilt sie als Beleg. Widerspricht eine Information der Theorie, dann ist dies Teil der Verschwörung – gefälscht, gelogen oder einfach das Resultat einer Gehirnwäsche [10; Kapitel 4 – Zwischen gesunder Skepsis und Verschwörungsmythen].“ Dies verdeutlicht, wie tief verwurzelt der Bestätigungsfehler sein kann und wie er in ideologischen Strukturen nahezu unüberwindbare Barrieren für rationales Denken schafft.
Doch der Bestätigungsfehler ist nicht nur im Kontext von Verschwörungstheorien problematisch. Er kann auch in der Wissenschaft erhebliche Herausforderungen verursachen. „Sobald man eine Theorie anerkannt hat und als intellektuelles Werkzeug benutzt, ist es überaus schwer, ihre Schwächen zu bemerken. Wenn man eine scheinbar nicht mit dem Modell in Einklang zu bringende Beobachtung macht, geht man davon aus, dass es eine sehr gute Erklärung dafür geben muss, die einem aus irgendeinem Grund entgeht. Im Zweifelsfall entscheidet man sich zugunsten der Theorie [3; Bernoullis Irrtum, 0:14:20].“
Hier zeigt sich, dass der Bestätigungsfehler nicht nur in Alltagsmythen, sondern auch in der Welt der Wissenschaft eine Gefahr darstellt. Wenn Forscher sich zu stark an ihre etablierten Theorien klammern, besteht die Gefahr, dass widersprüchliche Daten ignoriert oder abgewertet werden, was letztlich den Fortschritt behindern kann. Der Mut Theorien, auch die eigenen, infrage zu stellen und sich mit abweichenden Daten auseinanderzusetzen, ist daher von entscheidender Bedeutung für wissenschaftliche Integrität.
Hinzu kommt, dass Forschung stets politischen und wirtschaftlichen Zwängen unterliegt. Diese äußeren Einflüsse können bewirken, dass ganze Forschungsrichtungen auf fehlerhaften Grundannahmen basieren. Ein prägnantes Beispiel hierfür ist die Rassenlehre, die ihre Legitimation in Darwins Hypothese vom ’Überleben des Stärksten’ suchte. „Was Wissenschaft erforscht und was nicht, unterliegt nicht nur Trends, sondern auch handfesten Interessen. Auch Wissenschaftler neigen manchmal dazu, die Ostereier zu suchen, die sie zuvor selbst versteckt haben. Denn einmal eingeschlagene wissenschaftliche Wege haben die Tendenz, die Grundannahmen zu bestätigen, die ursprünglich als Voraussetzungen dienten [11; Kapitel 68].“
Ein aktuelles Beispiel für die Gefahr solcher Verzerrungen ist der Hype um Künstliche Intelligenz. In vielen Fachrichtungen wird maschinelles Lernen heute als Schlüsseltechnologie zur Datenanalyse und Erkenntnisgewinnung eingesetzt. Doch es häufen sich Hinweise in der Fachliteratur, dass ein erheblicher „Pro-Machine-Learning Bias“ existiert, der die Ergebnisse besser erscheinen lässt, als sie in der Praxis tatsächlich sind. Wie Alexander Pretschner betont: „Die Ergebnisse sind aufgrund dieses Bias’ in der Literatur oft stark geschönt [6; Alexander Pretschner, 0:21:18].“ Letztlich ist dies eine Ausprägung des Bestätigungsfehlers.
Dieses Phänomen verdeutlicht, wie schnell sich wissenschaftliche Trends etablieren können, die zwar auf den ersten Blick revolutionär erscheinen, jedoch aufgrund des Bestätigungsfehlers und institutioneller Interessen kritisch hinterfragt werden sollten. Wissenschaftlicher Fortschritt kann nur dann wirklich nachhaltig sein, wenn er nicht der Versuchung erliegt, einfache Antworten auf komplexe Probleme zu liefern – und wenn Forscher bereit sind, ihre eigenen Annahmen und Methoden immer wieder zu überprüfen.
In persönlichen Gesprächen habe ich gelegentlich Menschen, die überzeugt für eine Theorie argumentierten, auf die Möglichkeit hingewiesen, dass sie einem Bestätigungsfehler unterliegen könnten. Diese Möglichkeit wurde jedoch fast immer vehement abgelehnt. Henning Beck bemerkt in den „12 Gesetzen der Dummheit“ sogar: „Je intelligenter Menschen sind, desto hartnäckiger glauben sie, gerade sie würden keinen Denkfehler unterliegen und fallen deswegen häufiger darauf herein. Sie sind beispielsweise wider besseres Wissens starrköpfiger als weniger intelligente Menschen. Gebildete sind auch schwerer zu überzeugen als Ungebildete. Zudem sind sie politisch besonders voreingenommen, und rhetorisch besonders fähige Menschen (wie Politiker oder Journalisten) sind signifikant weniger bereit, sich überzeugen zu lassen [5; 0:26:33].“
Diese Beobachtung führt zu einer allgemeinen Erkenntnis: „Bildung führt zu Dogmatismus. Je höher der Bildungsgrad, desto eher tendiert man zu harten und unverrückbaren politischen Positionen, und desto mehr neigt man dazu, sich in seinen Ansichten zu bestätigen, anstatt sich selbst zu hinterfragen. Eine Erklärung dafür lautet: Je mehr man Menschen ausbildet und mit Wissen versorgt, desto beflissener werden sie, ihr Wissen und ihre Position zu verteidigen. Je sorgfältiger man sich eine eigene Position erarbeitet hat, desto widerwilliger gibt man sie wieder auf [5; 0:27:06].“
Diese Erkenntnis wirft ein Licht darauf, warum gerade hochgebildete Menschen nicht nur stärker zu Denkfehlern neigen, sondern auch schwerer von alternativen Sichtweisen abzubringen sind. Der intellektuelle Stolz, der mit einer umfangreichen Ausbildung einhergeht, führt oft dazu, dass Menschen ihre Positionen vehement verteidigen, selbst wenn gegenteilige Beweise oder Argumente vorliegen. Diese Tendenz, sich trotz Bildung und intellektueller Fähigkeiten in den eigenen Überzeugungen zu verhärten, stellt eine der größten Herausforderungen in der wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Diskussion dar.
Hier gibt es jedoch einen entscheidenden Unterschied zwischenWissenschaftlern und Nicht-Wissenschaftlern. „Eine Studie im Wissensmagazin Nature konnte 2022 zeigen:Wissenschaftler werden mit zunehmendem Wissen bescheidener. Nicht-Wissenschaftler hingegen tendieren dazu, mit wachsendem Pseudo-Wissen immer selbstbewusster zu werden. Leider kommt in der öffentlichen Wahrnehmung oft derjenige zu Wort, der von seiner eigenen Stärke überzeugt ist. Niemand setzt einen selbstzweifelnden Sokrates in eine Talkshow. Wie soll der auch ein knackiges Statement raushauen, wenn er ständig betont, nicht alles zu wissen [5; 0:50:40]?“
Doch wie kann man sich selbst effektiv gegen den Bestätigungsfehler schützen? Eine Grundregel lautet: Sei besonders achtsam bei starken Überzeugungen – sowohl bei anderen als auch bei dir selbst. „Ein starkes subjektives Überzeugtsein ist kein zuverlässiger Indikator für die Richtigkeit einer Ansicht [3; Die Experten können nichts dafür – die Welt ist eben kompliziert, 0:00:22].“ Darüber hinaus ist es ratsam, beim Lesen von Literatur stets kritisch zu hinterfragen: „Was ist NICHT gemeint? Was wird ausgeschlossen, wenn eine bestimmte Behauptung aufgestellt wird [12; Abschnitt 10.3]?“
„Die Irrtümer einer Theorie finden sich selten in den ausdrücklichen Behauptungen. Vielmehr verstecken sie sich in dem, was sie ausblendet oder unreflektiert voraussetzt “ [3; Abschnitt Bernoullis Irrtum]. Deshalb ist es entscheidend, „über den Rahmen eines Textes hinaus zu denken. Aspekte, die nicht angesprochen werden, könnten von entscheidender Bedeutung sein [12; Kapitel 11].“
Ein weiterer wichtiger Schritt ist das aktive Suchen nach widerlegenden Tatsachen, statt sie intuitiv zu verdrängen. Ideen, die nur einseitig betrachtet werden, haben nur begrenzten Wert. Widersprüchliche Informationen hingegen ermöglichen eine tiefere Diskussion und fördern ein umfassenderes Verständnis eines Themas [12; Abschnitt 10.2]. Diese Herangehensweise führt letztlich zu einem differenzierteren und weniger anfälligen Weltbild – eines, das auf ständiger Reflexion und Überprüfung beruht, anstatt auf starren Überzeugungen.
Der Bestätigungsfehler wird umso stärker, je fester man an eine Überzeugung glaubt. Daher ist es entscheidend, sich selbst ehrlich zu fragen: ’Welche Art von Beweisen würde mich dazu bringen, meine Meinung zu ändern?’ Wenn die Antwort lautet: ’Es gibt keine Beweise, die meine Meinung ändern könnten’, dann stellt man sich außerhalb der evidenzbasierten Rationalität und des kritischen Denkens [13; S117].
In diesem Zusammenhang ist es wichtig, Nachrichten und Medien mit einer gesunden Portion Skepsis zu betrachten. Es gilt, andere Meinungen nicht in schwarz-weiß zu sehen, sondern differenziert zu bewerten. „Werte wie Ehrlichkeit und Transparenz sollten wir fördern, während wirWerten wie Rechthaben, Sich-Gut-Fühlen oder Rache üben mit einer gesunden Skepsis begegnen sollten. In der lauten, vernetzten Welt wird es schwieriger, demokratische Werte aufrechtzuerhalten, doch wir tragen die Verantwortung, diese trotz allem zu fördern. Die Stabilität unseres politischen Systems könnte davon abhängen [14; 3:26:21].“
Dieses Denken erfordert, dass wir uns kontinuierlich selbst infrage stellen und offen für andere Ansichten bleiben. Nur so können wir verhindern, dass starre Überzeugungen die Basis für unser Denken und Handeln werden, und sicherstellen, dass wir auf kritischer Reflexion und rationalen Beweisen aufbauen – sowohl im persönlichen als auch im gesellschaftlichen Kontext.
Der Bestätigungsfehler begleitet uns in nahezu allen Aspekten des Denkens – ob im Alltagsleben, in der Wissenschaft oder in gesellschaftlichen Debatten. Er verführt uns dazu, Informationen so zu selektieren und zu interpretieren, dass sie unseren bestehenden Überzeugungen entsprechen, während wir abweichende Ansichten ausblenden oder abwerten. Diese Neigung zur Vereinfachung der komplexen Realität ist tief in uns verankert. Sie gibt uns das trügerische Gefühl von Sicherheit, lässt uns jedoch die wahre Vielschichtigkeit der Welt oft übersehen. Das fatale daran: Je intelligenter und gebildeter wir sind, desto stärker kann sich dieser Mechanismus auswirken, da wir fest an die Richtigkeit unserer Ansichten glauben.
Wer sich jedoch der Mehrdeutigkeit der Welt verweigert und alternative Perspektiven ignoriert, schränkt nicht nur den eigenen Erkenntnisprozess ein, sondern setzt auch die demokratische und wissenschaftliche Diskussion aufs Spiel. Es erfordert Mut und intellektuelle Bescheidenheit, die eigenen Überzeugungen immer wieder infrage zu stellen und aktiv nach widerlegenden Informationen zu suchen. Nur wer bereit ist, sich von der vermeintlichen Gewissheit zu lösen, kann die Komplexität der Welt wirklich erfassen und ein differenzierteres, fundierteres Weltbild entwickeln.
Quellen
- Hasselbusch, L. (2022, 18. September). Confirmation Bias: Der Bestätigungsfehler und Beispiele [Scribbr]. Verfügbar 23. September 2024 unter https://www.scribbr.de/methodik/confirmation-bias/
- Oberst, A., & Imhoff, R. (2023). Toward parsimony in bias research: A proposed common framework of belief-consistent information processing for a set of biases. Perspectives on Psychological Science, 18(6), 1464–1487. https://journals.sagepub.com/doi/10.1177/17456916221148147
- Kahneman, D. (2013). Schnelles Denken, langsames Denken [OCLC: 891956360]. Hörverlag.
- Cialdini, R. B. (2017). Die Psychologie des Überzeugens: wie Sie sich selbst und Ihren Mitmenschen auf die Schliche kommen (M. Wengenroth, Übers.; 8., unveränderte Auflage). Hogrefe.
- Beck, H. (2023). 12 Gesetze der Dummheit: Denkfehler, die vernünftige Entscheidungen in der Politik und bei uns allen verhindern. Econ.
- Karp, A., Hiesserich, J., & Cipierre, P. (2023). Von Artificial zu Augmented Intelligence: was wir von der Kunst lernen können, um mit Software die Zukunft zu gestalten. Campus Verlag.
- Greene, R. (2019). Die Gesetze der menschlichen Natur: mit einzigartigen Strategien, wie Sie menschliches Denken und Handeln entschlüsseln. FBV.
- Kobra-Effekt [Page Version ID: 234402979]. (2023, 7. Juni). In Wikipedia. Verfügbar 23. September 2024 unter https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Kobra-Effekt&oldid=234402979
- Peterson, J. B., & Ingendaay, M. (2018). 12 rules for life: Ordnung und Struktur in einer chaotischen Welt (1. Auflage, deutsche Erstausgabe). Goldmann.
- Nguyen-Kim, M. T. (2021). Die kleinste gemeinsame Wirklichkeit. Argon. https://www.isbn.de/hoerbuch/9783839818879/die-kleinste-gemeinsame-wirklichkeit
- Bauer, J. (2014). Prinzip Menschlichkeit: warum wir von Natur aus kooperieren (7. Aufl). Heyne. https://www.isbn.de/hoerbuch/9783942748414/prinzip-menschlichkeit
- Ahrens, S. (2022). How to take smart notes: one simple technique to boost writing, learning and thinking (2nd edition, revised and expanded edition). Sönke Ahrens.
- Rosling, H., Rosling Rönnlund, A., & Rosling, O. (2019). FACTFULNESS: ten reasons we're wrong about the world - and why things are better than you think [OCLC: 1031933968]. SCEPTRE.
- Manson, M. (2018). Die subtile Kunst des darauf Scheissens [OCLC: 891956360]. Mvg. https://www.thalia.de/shop/home/artikeldetails/A1050740848
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